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Marc Adrian

Marc AdrianMarc Adrian, geboren am 4. 12. 1930 in Wien, Dozenturen und Professuren in Hamburg und Kassel (Deutschland), sowie Cambridge, Mass. (USA), gestorben am 5. 2. 2008 in Wien.

Veröffentlichungen: inventionen, Linz 1980; Marc Adrian. Das filmische Werk. (Hrsg.: Otto Mörth), Sonderzahl Verlag, Wien 1998; seit 1957 umfangreiche Filmarbeit, zuletzt pueblo, Window Rock (USA) und Wien 1990; Übersetzer von Kenneth Patchen, Maler, Bildhauer, u.v.m.

Foto: Moucle Blackout

die maschinentexte

montagen, textsynthesen, computer generierte texte, permutationen

made for iBooks die maschinentexteanise of club without gael the perfect no unrepining the glutinous inside dodecagon. alternation without style. stuff not presumptive. glutinous inside luxury. chirk inside unrepining. gael not presumptive. coffee-grounds not magpie from coffegrounds no askew of style without presumptive beyond anise not servia the alternation, cannibal the style not magpie. deliver, anise the chirk no deliver the alternation a servia beyond askew, club from club inside style by stuff without regularity beyond glutinous without inside wiseacre with cannibal in-side deliver from presumptive inside glutinous. chirk without practicable the wiseacre inside magpie. gael not club.

aus: text nr. 9, die maschinentexte. (text nr. 9/67 wurde anläßlich der ausstellung "cybernetic serendipity" im ICA london vom BBC als eigene sendung zusammen mit text nr. 10, 11 und (vielleicht) 8/67 gebracht, deren originale in london geblieben sind.)

Die Maschinentexte - Marc Adrian
Gangan iBooks 2013, ISBN 978-3-900530-25-9, € 4,99

Marc Adrian 1930–2008
Abschied von einem Vater der Medienkunst: Der österreichische Filmemacher war Weggenosse von Peter Kubelka und Ferry Radax

Marc Adrian 1996 in seinem Atelier (Foto Ritter Verlag)Wien – "eine existenz wählt man nicht, man hat sie erhalten und verteidigt sie als geistige zu jeder stunde gegen die externen versuche, als mensch dahin manipuliert zu werden, wohin einen die macht verschieben will, damit man ihr besser diene als sich selbst." – Marc Adrian, im Mai 2007 im Katalog seiner Werkschau in der Neuen Galerie Graz.

Co-Kurator Peter Weibel würdigte im selben Kompendium Adrian als "Vater der österreichischen Medienkunst": Das stellte größere Zusammenhänge her als die relativ strikten disziplinären Zuordnungen, innerhalb derer der 1930 in Wien geborene Künstler meist festgelegt worden war: Der Filmfraktion zumindest galt er bevorzugt als wesentlicher Vertreter der "ersten Generation" der heimischen Kinoavantgarde, wurde also oft neben Filmemachern wie Ferry Radax, Peter Kubelka oder Kurt Kren genannt.

Den anderen – so auch Weibel – gilt er als genreüberschreitender Künstler, der zwischen Theorie und Praxis, Text, Skulptur, Laufbild intermedial arbeitete. Es ist durchaus bezeichnend, dass der gelernte Bildhauer (er studierte u. a. bei Fritz Wotruba) sich stetig über Versuche in experimenteller Poesie und Anlehnungen etwa an die Op-Art in digitale Bildmedien vorarbeitete. Irgendwie war Adrian als künstlerische und geistige "existenz" überall und nirgends, was man mit Hans Petersen so formulieren könnte: Er "weigert sich, das, wofür er ist, zu konkretisieren".

Kunstwerke seien "die einzigen modelle der wirklichkeit, die wir besitzen", schrieb Marc Adrian 1967, durchaus wenig konkret. Sein ausuferndes, tagebuchartig in viele Richtungen peilendes Werk erzählt nicht zuletzt davon, wie komplex und kompliziert es war, den autoritären Macht- und Religionswirklichkeiten in Nachkriegsösterreich etwas entgegenzuhalten. Black Movies und Blue Movies, Bild- und Textmontagen (Inventionen) zu Poesie, Zeitgeschichte, Popkultur: "wenn man nicht weiß, wo man beginnen soll, dann beginnt man am besten irgendwo ..." Am Dienstag ist Marc Adrian in Wien gestorben.

Claus Philipp / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2008

DIE WUNSCHPUMPE

EINE WIENER MONTAGE

Die Wunschpumpe Marc Adrians Wunschpumpe hat mich als Leser durch seine scharfsinnige Beobachtungsgabe betroffen gemacht. Der Autor stellt sich mit Recht – auch auf Grund autobiographischer Erfahrungen – auf den Standpunkt: Das Leben untersteht anderen Gesetzen als den Gesetzen einer illusionären, heilen Welt des Bürgertums. Die Härte des Lebens wird durch die Polarität zwischen Tätern und Opfern bestimmt. Inhaltlich fällt auf: Genaue Opfer/Täter-Ambivalenzen sind grundlegend. Damit entsteht ein Beitrag zur Phänomenologie der heutigen Gesellschaft: Psychopathologie, Faschismus, Soldatentum, Ökonomie und entsprechende Wiener Varianten. Weiters die Phänomene aus dem Bereich Sexualität; dabei bietet das Sprachinstrumentarium des Autors Möglichkeiten einer Entmystifizierung.

Wer bereit ist, sich auf diese Texte einzulassen, erlebt die Schwierigkeiten und die Faszination, die auch zum französischen Strukturalismus und zum nouveau roman gehören. Hier ist das Medium ‘Sprache’, genauer gesagt die Sprache als Struktur die Botschaft. Die Texte sind bestimmt von exakten Kompositionsgesetzen mit einer Vielzahl von Variationen. Es gibt Sprachgitter, Sprachspiele, Kombinationen von Sprachebenen (Primär- und Metasprachen), Sprache der Lexika, Zitate im Sinne der Postmoderne, Ironisierungen und Verschlüsselungen. Wittgenstein wird zitiert und assoziiert, das Auge sensibilisiert durch optische, schlagzeilenähnliche Anordnungen. Die Originalität der Texte entsteht auch durch die Sprache des Wiener Untergrundes, mit vielen Anleihen aus der Wiener Kunstszene, Bibelzitaten mit ihrer Betonung des Opfers Jesu; und schließlich erinnern Adrians Texte auch an die kritische Sprache der 68er Bewegung. Wo es hier um Religion geht, ist eigentlich Religionskritik gemeint, und wenn es um Philosophie geht, Antiphilosophie.

Die Helden (Antihelden) dieses Lebens gehören zu jenen Schichten der Gesellschaft, die der Bürger tabuisiert und verachtet. Mir fällt dazu jene Argumentation ein, die in den 60er Jahren durch Herbert Marcuse vertreten wurde: Subjekt der Kulturrevolution und der gesellschaftlichen Veränderung ist nicht mehr die verbürgerlichte Arbeiterschaft, sondern die kulturellen Randschichten, ausgegrenzte Minderheiten, Angehörige von kulturellen Unterschichten. Auf diese richtet sich der intensive Blick des Autors, geht bis zur Identifikation und führt zu Auseinandersetzungen mit dem eigenen Schatten. Spielt Marc Adrian dem Leser eine Dialektik zu, die ihn auf einen neuen Humanismus aufmerksam machen soll?

Prof. Dr. theol. Kurt Lüthi, Wien

marc adrians pumpe fördert allerhand zutage, läßt keine wünsche offen, dabei plumpst vieles, das sich bis dato mächtig ins zeug legen konnte, wie nichts weg. als würde der GSCHWINDE eine liaison mit dem johannesevangelium in der löwengasse vom zaun brechen wollen, auf daß es dem GERONIMO die augen in ein wiener schnitzel katapultiert:

hier steht sie vor uns – die zusammenfügung scheinbar disperatester teile, und doch könnte man sich keine anderen vorstellen, um selbst nestroys geist zu beschwören: “i sags nur, weul i grad davon red”, oder so ähnlich. scharf geschnittene kader klatschen da auf noch schärfere. dem voyeur sind alle möglichkeiten geboten. – schließlich öffnet nicht alle tage das “kunstwerk, die dichtung” als “ein ort der macht des negativen denkens” die vulva wie das erstbeste scheunentor eines klapprigen denkens. gegen diese wunschpumpe verkommt selbst die “seelandschaft mit pocahontas” zu einem zarten lercherlschas innerhalb der deutschsprachigen literatur dieses auslaufenden zwanzigsten jahrhunderts.

was schmidt forderte (“der grundirrtum liegt immer darin, daß die zeit nur als zahlengerade gesehen wird, auf der nichts als ein nacheinander statthaben kann. ‘in wahrheit’ wäre sie durch eine fläche zu veranschaulichen, auf der alles ‘gleichzeitig’ vorhanden ist”), löst adrian ein, wobei noch hinzukommt, daß es bei ihm nichts flaches gibt. dagegen würden sich auch seine protagonisten (z.b. der LEWENDICHE, die HAMBURGERIN und der TEXASHIAS) verdammt stemmen.

Gerhard Jaschke

Marc Adrian: Die Wunschpumpe.
Gangan Verlag 1991, 304 Seiten, 40 Illustrationen, Hardcover, 21.5 x 15 cm, ISBN 3-900530-18-1, € 19,90